Statistik · Berichtslage

PMK-Statistik 2025: Was die Zahlen zeigen, wie Propagandadelikte zugeordnet werden und wie ZDFheute berichtet hat

Die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) weist für 2025 rund 42.500 rechte und rund 13.500 linke Straftaten aus. Der Beitrag legt offen, woraus sich diese Zahlen zusammensetzen, nach welcher Regel unbekannte Täter bei Propagandadelikten eingeordnet werden und was der Artikel von ZDFheute vom 9. Juni 2026 dazu enthält.

Stand: 18.10.2026 · Lesedauer: ca. 6 Minuten · Zahlenbasis: BMI-Fallzahlen 2025 (Stand Juni 2026)

Beleg-Ampel

StatusAussageGrundlage
belegtPMK 2025: 85.837 Straftaten; rechts 42.544, links 13.490; Gewalttaten rechts 1.598, links 1.087.Kategorie 1: BMI-Fact-Sheet, Fallzahlen 2025
belegtPropagandadelikte machen 58,99 % der PMK-rechts-Straftaten aus (25.098 Fälle), bei PMK-links 407 Fälle.Kategorie 1: BMI-Fact-Sheet
belegtVon Unbekannt verübte rechte Propagandadelikte (NS-Symbole) werden PMK-rechts zugeordnet, wenn keine gegenteiligen Tatsachen vorliegen.Kategorie 1: Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/794
eigene RechnungRund 60 % der rechten Propagandadelikte hatten 2023 und 2024 keinen bekannten Tatverdächtigen.Berechnet aus Zahlen der Drucksache 21/794
eigene RechnungOhne Propagandadelikte verschiebt sich das Verhältnis rechts zu links von 76 : 24 auf 57 : 43.Berechnet aus BMI-Fact-Sheet
belegtZDFheute nennt den Propaganda-Anteil bei PMK-rechts, den Anstieg links (+35,29 %) und links-Gewalt (+42,6 %).Kategorie 2: ZDFheute, 09.06.2026 (Volltext gelesen)
belegtDer ZDFheute-Artikel erwähnt die Zuordnungsregel für unbekannte Täter nicht.Kategorie 2: ZDFheute, 09.06.2026
nicht belegtEine verzerrende oder verschweigende Darstellung der Statistik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.Keine Quelle gefunden (siehe Beleglücken-Box)

Die Zahlen 2025

Das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt haben die Fallzahlen für 2025 am 9. Juni 2026 vorgestellt. Registriert wurden 85.837 politisch motivierte Straftaten, rund zwei Prozent mehr als 2024. Die Verteilung nach Phänomenbereichen sieht so aus:

PhänomenbereichStraftatendavon Gewaltdavon Propaganda
PMK-links13.4901.087407
PMK-rechts42.5441.59825.098
PMK-ausländische Ideologie6.8867041.506
PMK-religiöse Ideologie1.98398600
PMK-sonstige Zuordnung20.9346692.786
Gesamt85.8374.15630.397

Quelle: BMI, Bundesweite Fallzahlen 2025 – Politisch motivierte Kriminalität, Stand Juni 2026 (Tabellen 1, 2 und 9)

Gegenüber 2024 sanken die rechten Straftaten insgesamt leicht (−0,57 %), die rechten Gewalttaten stiegen um 7,39 %. Bei links stiegen die Straftaten um 35,29 % und die Gewalttaten um 42,65 %. Der Großteil der linken Fälle sind Sachbeschädigungen (7.062 Fälle, 52,35 % der PMK-links-Straftaten). Bei PMK-rechts sind es Propagandadelikte, also das Verbreiten von Propagandamitteln oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach den §§ 86 und 86a StGB. Fast alle davon (99,66 %) wurden im Themenfeld Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus gemeldet.

Dasselbe Zahlenmaterial in vier Zuschnitten

Die folgenden Balken zeigen den Anteil von PMK-rechts und PMK-links, jeweils nur bezogen auf die Summe beider Bereiche. Die übrigen Phänomenbereiche sind hier nicht enthalten. Alle Anteile sind eigene Berechnungen aus den Zahlen des BMI.

Alle Straftatenrechts 42.544 · links 13.490
rechts 75,9 %links 24,1 %
Straftaten ohne Propagandadelikterechts 17.446 · links 13.083
rechts 57,1 %links 42,9 %
Gewalttatenrechts 1.598 · links 1.087
rechts 59,5 %links 40,5 %
Durch Gewalttaten verletzte Personenrechts 1.146 · links 486
rechts 70,2 %links 29,8 %
PMK-rechtsPMK-links

Die Zuordnungsregel für unbekannte Täter

Politisch motivierte Straftaten werden bereits bei der Anzeige einem Phänomenbereich zugeordnet (Eingangsstatistik). Maßgeblich sind die Tatumstände und, soweit bekannt, die Einstellung des Täters. Für eine Tatgruppe gilt eine ausdrückliche Sonderregel. Die Bundesregierung hat sie am 4. Juli 2025 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/542) bestätigt. Danach sind von Unbekannt verübte rechte Propagandadelikte, insbesondere Hakenkreuze und SS-Runen, dem Bereich PMK-rechts zuzuordnen, wenn keine gegenteiligen Tatsachen zur Tätermotivation vorliegen. Die Regel steht in der Ausfüllanleitung zur KTA-PMK (Stand 30.10.2024, gültig seit 1.1.2025, Punkt 12, Seite 21).

Die Bundesregierung beschreibt dies als Sonderregelung, die auf kriminalistischen Erfahrungswerten beruht und sich in der Praxis weiterhin bestätige. Weitere Regeln dieser Art für unbekannte Täter gebe es in der Ausfüllanleitung nicht. Wie oft die Regel angewendet wurde, lasse sich nicht auswerten, weil Begründungen zur Zuordnung nicht dokumentiert würden.

Wie groß ist der betroffene Bereich?

Die Antwort der Bundesregierung enthält Zahlen zu Propagandadelikten, bei denen der Tatverdächtige unbekannt ist:

Tatzeitdavon PMK-rechtsGesamt (alle Bereiche)Anteil rechts
20239.99310.85092,10 %
202416.17517.49792,44 %

Quelle: Bundestag, Drucksache 21/794 vom 07.07.2025, Antwort auf Frage 3 (Stichtag jeweils 31. Januar des Folgejahres)

Zum Vergleich nennt dieselbe Drucksache für PMK-rechts insgesamt 16.698 Propagandadelikte (2023) und 26.318 (2024). Daraus ergibt sich als eigene Rechnung: 2023 hatten rund 60 % und 2024 rund 61 % der rechten Propagandadelikte keinen bekannten Tatverdächtigen.

Frühere Sonderregel bei antisemitischen Straftaten

Bis zum 31. Dezember 2023 galt laut Drucksache 21/794 eine weitere Sonderregel: Antisemitische Straftaten ohne Anhaltspunkte für einen bestimmten Phänomenbereich wurden PMK-rechts zugeordnet. Seitdem erscheinen solche Fälle unter „sonstige Zuordnung“ (so auch Correctiv). Die Bundesregierung teilt mit, die Aufhebung habe statistisch keine Auswirkungen auf die PMK-rechts-Zahlen gehabt: antisemitische Delikte in diesem Bereich sanken von 3.034 (2023) auf 3.016 (2024). Für 2025 verteilen sich die 6.548 antisemitischen Straftaten so:

PhänomenbereichAntisemitische Straftaten 2025
PMK-rechts3.056
PMK-ausländische Ideologie2.293
PMK-religiöse Ideologie613
PMK-sonstige Zuordnung457
PMK-links129

Quelle: BMI, Fallzahlen 2025, Tabelle 15

Berichtslage zum 9. Juni 2026

ZDFheute veröffentlichte am 9. Juni 2026 um 10:00 Uhr einen Überblicksartikel von Jan Henrich. Er enthält diese Angaben:

QuelleDatumKernaussagePropaganda-Anteil genanntZuordnungsregel genannt
ZDFheute (öffentlich-rechtlich)09.06.2026Neuer Höchstwert; Großteil rechts, links steigt starkjanein
Bundesregierung (Primärquelle)09.06.2026Höchststand; PMK-rechts weiterhin fallzahlenstärkster Bereich; deutlicher Anstieg linker Gewaltim Auszug nicht ersichtlichim Auszug nicht ersichtlich
Berliner Zeitung09.06.2026Teaser: rechte Taten fast die Hälfte, linke Gewalt steigt stark; Dobrindt sieht die größte Gefahr im RechtsextremismusVolltext hinter BezahlschrankeVolltext hinter Bezahlschranke
Schwäbische Zeitung (dpa)09.06.2026Neuer Höchststand mit 85.837 Taten, knapp zwei Prozent mehr als 2024im Auszug nicht ersichtlichim Auszug nicht ersichtlich

Geprüft wurden öffentlich zugängliche Texte beziehungsweise Auszüge. Nur der ZDFheute-Artikel wurde vollständig gelesen.

Fairness-Box

Was für die bestehende Praxis spricht

Beleglücken-Box

Was sich aus den vorliegenden Quellen nicht belegen lässt

Quellen

  1. Kat. 1Bundesministerium des Innern: Bundesweite Fallzahlen 2025 – Politisch motivierte Kriminalität, Stand Juni 2026 (Fact Sheet, Artikelnummer BMI26013). PDF (Kopie beim LSVD)
  2. Kat. 1Deutscher Bundestag: Drucksache 21/794 vom 07.07.2025, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/542). PDF
  3. Kat. 1Bundesregierung: Neuer Höchststand politisch motivierter Gewalt
  4. Kat. 2ZDFheute, Jan Henrich: Dobrindt stellt Zahlen zu politisch motivierter Kriminalität vor, 09.06.2026
  5. Kat. 2Correctiv-Faktencheck: Importierter Antisemitismus? Warum Fachleute Merz widersprechen, 03.07.2025
  6. Kat. 2Berliner Zeitung: Politische Kriminalität auf Höchststand: Dobrindt für Reform bei Politikerbeleidigung
  7. Kat. 2Schwäbische Zeitung/dpa: Gewalt von Linken und Rechten nimmt zu

Die Anteile in den Balken und die Angaben „ohne Propagandadelikte“ sowie „rund 60 %“ sind eigene Berechnungen aus den genannten Zahlen.

Weiterführende Analysen